Aktuelle Lieblingsmusik: "Russian Red" - so nennt sich die spanische Sängerin Lourdes Hernandez, die in Spanien um einiges bekannter ist als hierzulande. Eine kleine Kostprobe:
Im Kino International, einem großen 60er-Jahre-Bau mit riesigen Kronleuchtern, großflächiger Holzvertäfelung und goldenen Glitzer-Vorhängen, die den Besucher beim Eintritt ins Kino in das alte Berlin der DDR zurückzukatapulieren scheinen, wurde ich gestern von einem Film überrascht, den ich mir nach zahlreichen positiven Kritiken eher pflichtschuldig, als euphorisch zu Gemüte führen wollte: Jan Ole Gersters Debüt-Werk Oh boy mit Tom Schilling in der Hauptrolle.
Was auf den ersten Blick scheint wie die typische Erzählung vom ziellosen Heranwachsenden, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt und deswegen in einem Sumpf aus Tristesse und Inhaltslosigkeit versinkt, überrascht und überzeugt auf so vielen Ebenen, dass ich diesen Film jedem, der in nächster Zeit mal einen Abend frei hat, nur allerwärmstens und allerdringlichst empfehlen kann.
Da wäre zunächst Nico Fischer, der Protagonist des Films, der sein eigenes Leben allerdings mehr als Nebendarsteller oder gar Komparse erlebt. Er wird großartigst verkörpert von Tom Schilling, der in zahlreichen Momenten, kurzen Einstellungen und scheinbar nebensächlichen Blicken und Gesten sein Talent für die Komik des Augenblicks, die Ironie des Lebens offenbart. Schauspielerisch eine ganz große Leistung, die man einfach, zurückgelenht in seinen Sessel, 83 Minuten lang genießen sollte!
Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von Begegnungen, von schrägen Gestalten und urkomischen Dialogen, die das triste schwarz-weiß der Aufnahmen konterkarieren. Zusammen mit einem eigenwilligen, frischen Soundtrack ergibt sich daraus eine Stimmung von gelassener, ironischer Schicksalsergebenheit, ein bisschen so, als werfe Tom Schilling den Zuschauern ein entschuldigendes Lächeln zu, ob der Kuriositäten seines Lebens. Und dann gibt es da noch den zweiten Protagonisten des Films: die Stadt Berlin, wie man sie ehrlicher und wahrheitsgetreuer selten gesehen hat. Ein oftmals von Straßenbahn, Graffitis, aber auch von Vielfalt gezeichnetes Stadtbild, das Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor missen lässt. Nico, ein Flaneur, der sein Studium vor einiger Zeit abgebrochen hat und seitdem in den Tag hinein lebt, trifft auf seinen Streifzügen durch sein Leben und Berlin auf seltsame Gestalten, alle Freaks auf die ein oder andere Weise, mit sehr eigenen Schicksalen, die aber ihren ersten Anschein von Absurdität und Lächerlichkeit meißt bald verlieren, wenn der Regisseur Jan Ole Gerster mit viel Menschlichkeit und Feingefühl eine tiefere, ernstere Ebene der obskuren Abweichler offenbart. Das hätte durchaus ein Unterfangen werden können, das zu ernst, zu dramatisch und besonders zu kitschig zu werden droht, doch hiergegen greift Gerster auf ein altbewährtes und doch selten genutztes Mittel zurück: Humor, und zwar guter! Davon hat der Film verdammt viel und schafft es so trotz des eigentlich trüben, trägen Lebens seines Protagonisten zu einer Komödie zu werden, die gerade wegen ihrer Andersartigkeit und Unkonventionalität etwas Besonderes ist.
Auch wenn ich sonst kein großer Fußball-Fan bin (ja, schon klar, außer es sind Länderspiele..bla... Weltmeisterschaft..bla ;) ) hat es mich gestern in eine Ausstellung von Regina Schmecken gezogen. "Unter Spielern – Die Nationalmannschaft" zeigt eine Reihe von großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien, die, anders als die typischen Fußballbilder in Zeitungen nicht das großartige Tor, den dramatischen Zweikampf oder das hinterhältige Foul zeigen, sondern sich auf das Einfangen der tänzerischen Bewegung, der ästhetischen Geometrie und der Zufälligkeit des Moments konzentrieren. Eine -wie ich finde- wirklich gelungene Ausstellung:
Das letzte Bild, mein persönlicher Favourit :), erinnert mich sehr stark an die Arbeiten von Andreas Gursky. Zu sehen ist die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin - direkt hinter dieser farbenprächtigen Kulisse:
Nachdem die ersten Berliner Viren mich aus ihren bettlägrigen Fängen entlassen haben, konnte ich mich gestern Abend schließlich endlich doch einmal auf die Socken machen, und die großen Wahrzeichen Berlins bestauenen. Wie sich rausstellte, hätte ich mir für dieses Unterfangen kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können, denn dieser Tage wirft das Festival of lights seinen farbenfrohen Schein auf die Publikumslieblinge der Berliner Architektur. Gut, die geschätzten 325 Fotografen links und rechts von mir haben mit ihrem XXL-Profi-Equipment vielleicht doch das bessere Foto geschossen (und sich beim Schleppen der Ausrüstung sicherlich eine Rückenzerrung geholt), aber einen Eindruck der stimmungsvollen Atmosphäre zeigt sich auch auf den Bildern oben.
Um in der neuen Stadt das Begrüßungsgeld für Studenten zu beantragen (an und für sich ja eine schöne Sache) muss ich einen Antrag stellen, dessen Stempelung mich 5 Euro kostet.
Die ersten zwei Tage in der neuen Stadt sind mehr oder weniger gut überstanden, ein guter Moment erste Eindrücke und Erlebnisse zu resümieren...
1. Bemerkt, dass hier die Hausnummern nicht nach Gerade und Ungerade verteilt sind, sondern nach einem verqueren System, das erst die eine Straßenseite hochzählt und dann auf der anderen Seite in die umgekehrte Richtung weitergeht. 2. Fast meinen ersten Tag nicht überlebt, weil ich bei dem Versuch gleichzeitig zu telefonieren und dem Ampelsystem des Straßenverkehrs zu folgen komplett versagt habe und um Millimeter-Haaresbreite von nem Auto überfahren worden wäre 3. Freudig festgestellt, dass der Edeka gegenüber sogar Sonntag den ganzen Tag offen hat 4. In der neuen Wohnung mit Mumford and Sons und einer Kürbissuppe begrüßt worden - wenn das mal keine guten Zeichen sind 5. Freund getroffen, der gerade zufällig Jo Gerner an der Ampel begegnet ist 6. Keinen Schritt ohne Stadtplan gemacht 7. Verfahren 8. Den Kampf mit den Großstadt-Viren bereits am ersten Tag verloren und seitdem in die Salbei-Tee-Abhängigkeit geschlittert 9. Ost-Ampelmännchen fotografiert 10. Realisiert, dass Radfahrer hier eine Form von Extremsport ausüben 11. Bekanntschaft mit den Altbau-Nachteilen gemacht, und seit der Ankunft in einer kalten Wohnung ohne warmes Wasser verbracht 12. Bekanntschaft mit den Altbau-Vorteilen gemacht und stundenlang die 4 Meter hohen Wände und den sagenhaften Kronleuchter in der Freundinnenwohnung angeglotzt...*So-viel-Stuck!!*